Luzern nimmt in der russischen Kultur eine Sonderstellung ein. Die Stadt war eine Inspirationsquelle für russische Intellektuelle und Künstler: Luzern mit seiner malerischen Umgebung ist in zahlreichen Memoiren und literarischen Werken festgehalten worden.

Heute schlägt der Puls des russischen Lebens auf dem Hügel Gütsch. Sichtbar von vielen Orten der Stadt aus, einschließlich der berühmten Kapellbrücke, ist das Hotel Сhâteau Gütsch längst zur Visitenkarte der Stadt geworden. Mit der großangelegten Installation „Herz“, die den Kern des neuen Kunstparks LA Collection’Air ausmacht, wurde Luzern um ein weiteres romantisches Wahrzeichen bereichert.

Das Сhâteau Gütsch gilt mit Recht für eines der interessantesten historischen Hotels in der Schweiz. Das verdankt es insbesondere seinen namhaften Gästen. Hier hat die Königin Viktoria gewohnt, Thomas Mann, der längere Zeit in Luzern verbracht hat, war hier zu Besuch, auch die Baroness Ephrussi de Rothschild und der große Dirigent Arturo Toscanini. Zu den Gästen des Hotels zählen ferner viele Stars des 20. Jahrhunderts: im Сhâteau Gütsch haben die populären Sänger Tom Jones, Caterina Valente, Shirley Bassey gewohnt. Im Hotelrestaurant zu Abend gegessen haben Henry Moore, Madeleine Albright, Henry Kissinger, bedeutende Dirigenten, Teilnehmer des Lucerne Festival für klassische Musik: Claudio Abbado, Riccardo Chailly, Herbert von Karajan, der bekannte deutsche Radiomoderator Thomas Gottschalk, viele Schweizer Politiker und Stars des Schaugeschäfts.

Die Geschichte des Hotels Château Gütsch ist gewissermaßen einmalig. Der Gütschhügel ist an sich ein wichtiger Zeuge des jahrzehntelangen Stadtlebens: bei Kriegen und öffentlichen Notlagen wurde hier Feuer unterhalten. 1590 wurde der Unoth-Turm errichtet, in dem die dritte Festungsmauer gipfelte. Ursprünglich eine Warte, wurde er im 19. Jahrhundert zur Aussichtsplattform umfunktioniert. 1859 erwarb Burkhard Pfyffer ein Grundstück auf dem Gütschhügel und erhielt in demselben Jahre die Erlaubnis des Stadtrats für die Eröffnung einer Gastwirtschaft. Der Unternehmer Ignaz Basinger kaufte 1879 den inzwischen funktionierenden Gastbetrieb, ihm wurde eine umfassendere Genehmigung für den Bau eines Hotels erteilt. Als Autor der ersten Entwürfe zum Hotel gilt Edward Staempfli aus Montreux.

Ein Teil des Hotelgebäudes ist 1888 niedergebrannt. Beim Wiederaufbau hat das Hotel seine jetzigen Umrisse mit den typischen Türmen und Erkern erhalten. Räume, die heutzutage das Restaurant und die Zimmer des Obergeschosses beherbergen, sind 1901 entstanden. Die Bauarbeiten leitete der Schweizer Architekt Emil Vogt, der als Autor vieler prunkvoller Hotels der Belle Époque in die Geschichte der Architektur eingegangen ist. Es war gerade sein Konzept, auf das die Architekten zurückgriffen, die in der Nachfolge zu verschiedenen Zeiten das Gebäude umgestalteten. Während des Ersten Weltkriegs (1914–1918) war das Hotel geschlossen, während des Zweiten (1939–1945) sah man sich gezwungen, das Haus den Militärs zur Verfügung zu stellen; auch wurde es mal als Herberge für Flüchtlinge, mal als Durchgangslager für Auswanderer und Internierte benutzt.

1992 wurde das Hotelinnere von Grund auf erneuert. Zehn Jahre später, 2012 stellte der amerikanische Designer Martyn Lawrence Bullard, ein Kenner des modernen Luxus, die historische Authentizität der Hotelräume wieder her und erfüllte zugleich alle bei den jetzigen Hoteliers geltenden Komfortanforderungen.

2007 wurde das Сhâteau Gütsch vom russischen Unternehmer Alexander Lebedev erworben. Nach einer einschneidenden Umgestaltung wurde das Hotel im Frühling 2014 wiedereröffnet. Beim letzten Umbau wurde das Größenverhältnis zwischen den Gemeinschaftsräumen beibehalten. Besonderes Augenmerk lag dabei auf den historischen Dekorelementen: Deckenstuck und Schnitzereien wurden nachgebildet, ursprünglich vorhandene Parkettböden und handbemalte Wandtafeln restauriert. Des Weiteren wurde dank den Bemühungen des jetzigen Besitzers die noch 1884 eingerichtete Drahtseilbahn, sog. Gütschbahn, modernisiert und in Betrieb genommen. Einwohner von Luzern, Touristen und Gäste des Hotels fahren jetzt gern mit ihr.

Auf dem Gelände des Сhâteau Gütsch ist 2018 der Park für moderne Kunst LA Collection’Air eröffnet worden. Der Exposition liegt die Sammlung des Unternehmers und Philanthropen Alexander Lebedev und seiner Ehefrau Elena Perminova zugrunde. Die ausgestellten Objekte stammen von Dmitry Zhukov, Dmitry Kawarga, Nikolay Polissky, Andrei Lublinsky, Anna Zhelud, Margo Trushina, Vasily Klyukin und anderen russischen Künstlern. Die besondere Synergie aus moderner Kunst und Natur, der herrliche Panoramablick auf die Stadt, die Vielfalt der im Park präsentierten Werke bereichern einen jeden Besucher um einmalige ästhetische Erfahrungen. Die Schau weckt die Fantasie, fördert die emotionale Wahrnehmung der künstlerischen Botschaften und freie Auslegung ihrer Inhalte. Die Konzeption des Parks umfasst drei Themen: „Figuren und Gestalten“, „Bestiarium“ und „Zeichen und Symbole“. Kunstfreunde werden die originellen Konzepte und kühnen plastischen Ideen der Autoren zu schätzen wissen — ausnahmslos alle Besucher des Parks werden unvergessliche Eindrücke gewinnen. Die „Flügel“ („Wings”) von Dmitry Zhukov stellen ein ideales Objekt für „schwebende“ Selfies dar. Die Gelegenheit, das eigene Herz im Gleichtakt mit dem Herzen des / der Geliebten klopfen zu hören, schenkt Ihnen das Kunstobjekt von Vasily Klyukin „The Beating Heart“. Skulpturen von Nikolay Polissky und Dmitry Kawarga vermitteln einen neuen Blick auf die Natur. Die betont romantische Konzeption von LA Collection’Air setzt offenen Dialog und Entwicklung voraus: der Park soll sich verändern, insbesondere durch die kreative Beteiligung schweizerischer Bildhauer.

„Ich wünsche mir, dass der Kunstpark LA Collection’Air sich zu einem wichtigen Kulturort der Schweiz entwickelt“, sagt der Hotelbesitzer Unternehmer Alexander Lebedev. „Dass er sich in der Stadt ‚einbürgert‛ und nicht bloß eine Sehenswürdigkeit für Touristen bleibt. Mein Hauptanliegen ist die kreative Umgestaltung des Raums. Es ist wichtig, dass der Park künftig ein eigenes intensives Leben führt. Wir möchten, dass Menschen, die sich für die Gegenwartskunst interessieren, sich treffen und Erfahrungen austauschen, neue Projekte entwickeln können, wir aber für unseren Teil sind bereit, solche Initiativen zu fördern und zu unterstützen.“

Der Abschnitt „Bestiarium“ wird bestimmt ausgebaut werden, da Alexander Lebedev großen Wert auf die ethische Botschaft der Tierdarstellung legt. „Heute finanzieren wir in Afrika ausgedehnte Pflanzen- und Tierschutzprogramme. Unser Medium The Independent ist am Projekt Space for Giants beteiligt, das die afrikanischen Elefanten retten, ihr natürliches Habitat schützen soll. Ich glaube, die moderne Tierdarstellung, die Werke der Bildhauer, welche große effektvolle Tierfiguren erschaffen, stehen mit unseren Bestrebungen im Einklang. Ein künstlerisches Bestiarium im Park; lebende Tiere in freier Wildbahn.“

Dank der originellen Exposition sowie der Synergie aus lokaler Natur und moderner Kunst wird der Park zur Festigung der russisch-schweizerischen kulturellen Beziehungen beitragen können. Die Projektentwickler hoffen, dass sich LA Collection’Air zur Plattform für kreative Zusammenarbeit von Künstlern aus verschiedenen Ländern, aber auch zu einem neuen beliebten Reiseziel in der Schweiz entwickelt, sich in den Austragungsort echter Gefühle und ästhetischen Genusses verwandelt.